Imaginationsübungen:
Bereits in vielen älteren (sog. primitiven) Kulturen galten "Zauberer und Schamane" als wichtige heilende Personen, weil sie mittels positiver Beeinflussung und Beschwören von Geistern und Helfern versucht haben, das Böse abzuwenden. Der Glaube vieler Stammesmitglieder an diese Art der Heilung mittels Imagination half sehr, schlimme Erfahrungen und Belastungen zu überstehen. Insofern ist die Imagination die älteste Art des Heilens. Es ist wissenschaftlich unumstritten, dass positive innere Vorstellungen sich positiv auf das Wohlbefinden, die Seele und den Körper auswirken. In der traumazentrierten Psychotherapie, aber auch mittlerweile in einigen anderen Therapieformen werden Imaginationsübungen eingesetzt, um den PatientInnen zu helfen, ihre Wahrnehmungsfähigkeit zu stärken, den Glauben an die eigenen Ressourcen und Fähigkeiten zu festigen und die Steuerung eigener Kompetenzen zu fördern. Die Imaginatioinsübungen werden kontrolliert und selbstbestimmt eingesetzt, um die eigenen Selbstheilungskräfte zu stärken und sie gezielt in den Heilungs- und Entwicklungsprozess zu integrieren. Sie fördern die Kreativität und Eigenverantwortung. Die PatientInnen werden unabhängiger vom Wohl und Willen anderer Menschen und finden mehr Halt, Trost und Sicherheit in sich selbst.
Den überwiegend schlechten Bildern der traumatischen Erfahrungen werden ganz bewusst ausschließlich gute Bilder entgegengesetzt.
Die Imaginationsübungen sind eine wichtige Grundlage und eine tragende Säule für die innere (aber auch äußere) Stabilität und für alle PatientInnen sehr hilfreich. Die Erfolge der letzten Jahre in vielen Kliniken (z. B. Bielefeld, Göttingen, Bad Wildungen und auch in der von mir mehrere Jahre oberärztlich geleiteten Klinik für Trauma- und Psychotherapie im Klinikum Wahrendorff) zeigten in eindrucksvoller Art und Weise den besonderen Wert dieser Imaginationsübungen. Mit Hilfe dieser Übungen gelingt es, einen „Sicheren innerenOrtes“ zu installieren, der die Erfahrung von absoluter Sicherheit, Schutz und Geborgenheit vermittelt, sowie Selbstfürsorge und Selbsttröstung fördert. In einem „inneren Tresor“ kann traumatisches Material sicher und bewusst verschlossen und weg gepackt werden, die damit verbundenen Affekte werden deutlich weniger und die Energie kann für die Nutzung von Ressourcen und Entwicklung sinnvoller Heilungsstrategien verwendet werden. Die imaginäre „Fernsteuerung“ hilft bei der Steuerung von belastenden Bildern, Affekten und Gefühlen. Die Übung der „InnerenHelfer“ hat sich als sehr unterstützend und hilfreich erwiesen. Imaginäre Wesen (gute Geister, Zauberer, Feen, Tiere, liebevolle "Comicfiguren", Märchengestalten usw.) sind da, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, die Betroffenen liebevoll und wertschätzend zu begleiten, sie wohlwollend zu beraten, ihnen Fragen zu beantworten und ggf. Problemlösestrategien aufzuzeigen. Außerdem werden die Betroffenen von deren inneren Helfern und Beschützern so angenommen und begleitet, wie sie sind.
Weitere Übungen sind "Baumübung" (durch die Identifikation mit einem eigenen Baum werden die PatientInnen angehalten, sich das zu nehmen, was sie brauchen, um zu "wachsen" und sich kraftvoll zu fühlen), "Lichtstromübung" (mit Hilfe von durch den Körper strömendem heilendem und hellem Licht werden u. a. Schmerzen, Belastungen usw. beseitigt), "Gepäckübung bzw. sich von innerem Gepäck distanzieren" (Distanzierungsübung von belastendem Material u. a.). Es gibt noch weitere Imaginationsübungen, die unterschiedlich und je nach Bedarf eingesetzt werden.