Praxis für Psychotherapie und Psychotraumatologie       - Naiel Arafat
 
Friedensprojekt
 
 
Das Projekt „Verrückt nach Frieden“  
 
„Normal im Krieg -Verrückt im Frieden! Suche nach einem psychosozialen Friedensbeitrag" 
 
 
Der Nahost-Konflikt ist einer der massivsten und gefährlichsten Konflikte vor Westeuropas Haustür, der kaum zu befrieden scheint.
 
Ungeachtet dessen, wie der Konflikt begann, wer angefangen hat, wer im Recht ist oder nicht, wer sich um Frieden bemüht oder nicht, wer mehr oder Weniger Menschenleben auf dem Gewissen hat und insbesondere ungeachtet vieler bisher größtenteils erfolglosen Friedensbemühungen und politischen Initiativen, ist die Sehnsucht vieler Völker auf der Welt (nicht nur im Nahen Osten) nach Frieden im „Heiligen Land“ groß, aber auch oft, unerfüllt geblieben.
 
Nach vielen gescheiterten Friedensbemühungen und –initiativen und angesichts mehrerer Kriege und gewaltsamen Auseinandersetzungen, deren Preis größtenteils Zivilisten auf beiden Seiten bezahlt haben, wuchsen insbesondere unter vielen Menschen (Israelis und Palästinensern) und vor allem unter den schwer betroffenen Überlebenden vieler Kriege und deren Nachkommen die Angst und Furcht vor dem Anderen, die auf beiden Seiten wiederholt politisch genutzt wurden, um den Hass, die Wut und die Rache gegen den Anderen zu schüren. Auf beiden Seiten konnten somit Extremisten Wahlen gewinnen und noch höhere Mauern aufbauen. 
 
Geschichtlich gesehen haben Deutsche, Juden bzw. Israelis und Palästinenser viel mehr Gemeinsamkeiten, als das ihnen das manchmal lieb sein könnte. Die Shoa, die Existenzgründung Israels, und der daraus entstandene Krieg mit Palästina haben unendliches Leid ausgelöst und führen (auch in Friedenszeiten) zu Polarisierungen in Opfer und Täter, Gewinner und Verlierer, Recht und Unrecht usw. und lösen weitere Kämpfe aus. Die Gräben scheinen unüberwindbar. Politische Initiativen waren bemüht, Brücken zwischen schier unüberwindbaren Ufern zu bauen, was leider meistens nicht gelang, da das Misstrauen, die Angst, die Hilflosigkeit, die Hoffnungslosigkeit, das oft bittere Schweigen und die Fassungslosigkeit sich breit gemacht haben. Und dies alles wurde von einer Generation auf die nächste übertragen, es war oft ein Vermächtnis. Es war schwer, das Leid, den Schmerz, die Angst, die Hilflosigkeit, die Erschütterung und die Verletzung des Anderen zu sehen und als eine identische mit den eigenen gespürten Gefühlen zu sehen und gleichzusetzen.
 
Die Bevölkerung in Deutschland empfindet mehrheitlich in der Nachkriegszeit durch die eigene Schuld der Verfolgung und Ermordung bzw. Vertreibung von vielen Millionen jüdischer Menschen während der Nazizeit eine besondere Verantwortung, sich der eigenen Schuld und der ihrer Eltern und Großeltern zu stellen. Und die Regierung sowie die Verantwortlichen in Gesellschaft und Kirchen fühlen sich herausgefordert, auch „kritische Freunde“ bei manchen kriegerischen Verhaltensweisen des israelischen Staates ebenso wie der palästinensischen Menschen auf der Suche nach einem eigenen Staat zu sein und nicht zu schweigen, wenn in Nahost Gewalt und Erniedrigung, Krieg und Hass herrschen.
 
Übrigens: An dieser Stelle sei noch einmal betont und hervorgehoben, dass bei all den sonst bestehenden Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten der erlittenen Traumata und deren Verarbeitung der Holocaust und die Ermordung an vielen Juden etwas „Einmaliges“ bleibt und darstellt, was in seiner Bedeutung keineswegs geschmälert werden darf. Die Wucht der Ereignisse und erlittenen Traumatisierungen und deren Folgen und Folgestörungen sind in ihrer Art mit nichts in der Geschichte zu vergleichen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, viele der begangenen Verbrechen und Morde sind zwar von der Bedeutung her sehr schlimm und kaum zu ertragen, trotzdem mit den Nazi-Verbrechen und dem Holocaust nicht zu vergleichen.
 
Am 20.2.2010 haben sich einige KollegInnen auf eine Initiative von mir in Peine getroffen. Wir haben die Initiative "verrückt nach Frieden" genannt und gegründet. Wir diskutierten offen, aufgeschlossen und engagiert über unsere Motivation, ein solches Projekt zu gründen. Jede (r) von uns erzählte von den eigenen Beweggründen mitzumachen und uns wurde sehr schnell deutlich, dass Deutsche, Israelis und Palästinenser eine sehr verwobene und enge gemeinsame Leidensgeschichte haben. Uns wurden durch die unterschiedlichen Schilderungen die gemeinsamen Elemente bewusst, so dass für uns die Schnittstellen auch klarer erschienen. Wir haben uns bewusst mit den eigenen Verletzungen und denen des Anderen befasst und versucht, diese ebenso zu wertschätzen und zu respektieren. Der Ansatz war, sich beim Gegenüber wieder zu erkennen, um sich schließlich näher und verbunden zu fühlen. Dies gelang auf einer beeindruckenden Art und Weise. Wir entschieden uns, uns als Suchende nach einem Weg, wie die im psychosozialen Sektor Tätigen für den Frieden in Palästina-Israel aktiv sein können. Uri Eiger ist israelischen Ursprungs, ich bin palästinensichen Ursprungs und die restlichen KollegInnen waren deutschen Ursprungs. Gemeinsam wollen wir alle in der oben angesprochenen öffentlichen Veranstaltung in Hannover für diese Aktivitäten werben und ein Netzwerk gründen für all die Menschen, die den Frieden auf dieser Welt und insbesondere in der dortigen Region wünschen.
 
Bisher haben wir uns darauf verständigt, dass es in diesem Konflikt (aus deutscher Sicht) drei Parteien gibt: Die deutsche, die israelische und die palästinensiche Seite. Der Ansatz unseres Engagements resultiert aus den eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen. Uri Eiger, Kerstin  Hartung und ich sind Traumatherapeuten und arbeiten seit Jahren mit traumatisierten Menschen. Ein Grundsatz in der traumazentrierten Psychotherapie ist die Herstellung von äußerer und innerer Sicherheit und Stabilität, damit eine Traumabearbeitung überhaupt möglich wird. Im Rahmen dieser Tätigkeit lernten wir alle ja, alles zu würdigen und zu wertschätzen, auch das vermeintlich Destruktive, das eine Stabilität und Sicherheit erleichtern könnte. "Destruktive Verhaltensweisen" gelten ja als notwendige Überlebensstrategien. Die Beobachtung, die wir alle zusammengetragen haben und die wirklich auffällt, ist, dass Angst, Misstrauuen, Hass, Unsicherheit, Wut usw. von einer Generation zur anderen gelangen und -je nachdem- bewusst oder unbewusst weiter gegeben werden.
 
Eine Chance, Frieden zu erreichen, wäre, dies zu unterbrechen. Deutsche, Israelis und Palästinenser haben viel mehr Gemeinsamkeiten, als sie denken und sich vorstellen können. Diese Gemeinsamkeiten gilt es zu fördern und zu nutzen, um die Bedürfnisse der Menschen nach Sicherheit, Frieden und Stabilität zu nutzen. Wir sind alle "verrückt nach Frieden". Wir haben uns überlegt, dass ein nächster Baustein unseres Projektes diese gemeinsame öffentliche Veranstaltung in Hannover sein könnte und sollte. Uri und ich sind als Sprecher des Projektes gewählt worden (ein Israeli und ein Palästinenser). Alle Gründer des Projekts haben beim Treffen festgestellt, dass sich viele ähnliche Parallelen in unserer Vorgeschichte finden. Wir wollten bei dieser gemeinsamen Veranstaltung, dass Uri Eiger und ich mit unserer sehr geschätzten und uns nahe stehenden deutschen Kollegin Michaela Huber (Trägerin des deutschen Bundesverdienstkreuzes, Vorsitzende der deutschsprachigen Sektion der ISSD und eine der führenden und anerkannten Persönlichkeiten im Bereich der Psychotraumatologie) öffentlich diskutieren und gemeinsam öffentlich für unser Projekt werben. Als Ziel sollte ein Forum entstehen, in dem palästinensiche, arabische, jüdische, israelische, christliche und deutsche KollegInnen aktiv ihr Wissen um die Notwendigkeiten psychischer Gesundheit einbringen und einen Weg suchen, um diese Kompetenz in die Waagschale des Friedensprozesses im Nahen Osten zu werfen.
 
Wir wissen nicht, wohin die Reise gehen wird, aber wir wissen heute, dass Frieden Menschen braucht, die Hass und Wut, Misstrauen und Feindseligkeit zu zügeln wissen, um darüber Achtung Respekt, Kooperation, Freundschaft und Liebe entwickeln zu können. Dafür braucht es die tausendfache Kompetenz psychosozialer Fachkräfte, enorm viele finanzielle Ressourcen und vor allem Frieden als die Mutter aller Begegnungsprozesse.
 
 Schon bei unserem ersten Treffen in Peine kamen wir alle sehr bald zu der Erkenntnis, dass ohne äußere Sicherheit, es keine innere Stabilität bei den Menschen entstehen könnte, demnach eine konstruktive psychotherapeutische/psychosoziale Arbeit in der Nahost-Region nur sehr begrenzt erfolgreich sein kann. Dennoch soll die Suche heute nach den verändernden, friedenstiftenden Faktoren geschehen, damit unsere gemeinsame Sehnsucht und unser "Verrücktsein" nach einem gemeinsamen, von Achtung, Wertschätzung und Respekt getragenem Frieden irgendwann auch Wirklichkeit werden kann.  
 
Gez.   Uri Eiger       und        Naiel Arafat  
 
Gründer des Projekts: Kerstin Hartung, Michael Sommer, Karen Wiborg, Renate Schusch, Peter Schusch, Mathias Reisewitz, Steffi Weigand, Uri Eiger und Naiel Arafat.
 
Anfragen bezüglich des Projektes und sonstige Informationen laufen über den Aktivverbund Berlin e. V. (www.aktivverbund.de), Ansprechpartnerin ist Frau Renate Schusch (schusch@aktivverbund.de). Frau Schusch ist außerdem telefonisch erreichbar unter 030 - 617 43 713. Frau Schusch stellt dann nötige Kontakte zu Herrn Eiger und/oder zu mir her. 
 
  
Der Nahost-Konflikt ist einer der massivsten und gefährlichsten Konflikte vor Westeuropas Haustür, der bisher kaum zu befrieden ist. In verschiedenen Teilen der Welt ist es mittlerweile gelungen, wieder Frieden herzustellen, vielen Menschen auf der Basis von Gleichberechtigung und Demokratie ihre Freiheit zu schenken. Nur im Nahen Osten ist dies bisher nicht möglich; die Unterschiede sind enorm und die Gräben zwischen den beiden verfeindeten Gruppen wirken zeitweise unüberbrückbar. Verschiedentlich kam es zu Friedensinitiativen, Vermittlungsmissionen, Annäherungsversuchen, die anfangs oft verheißungsvoll begannen. Obwohl viele Menschen auf beiden Seiten den Frieden lieben und sich davon viel Freiheit, Ruhe, Stabilität und Sicherheit versprachen, ist es verschiedenen (militanten) Gruppen auf beiden Seiten immer wieder gelungen, jede Hoffnung auf Frieden im Keime zu ersticken. Diese Gruppen wurden teilweise von äußeren Mächten, denen es mehr um ihre internationalen Positionen als um eine friedliche Konfliktlösung ging,  in ihrem Bemühen nach Unfrieden unterstützt und in dem Irrglauben bestärkt, dass nur Stärke und militärische Macht und der Wunsch, die andere Seite zu besiegen, Frieden bringt. Mittlerweile wissen die friedfertigen Menschen auf beiden Seiten und auf der ganzen Welt, dass dies nicht nur ein „kleiner Irrtum“ ist, sondern eine nie mehr enden wollende Tragödie. 
 
Während unserer Vorbereitungen auf diese Veranstaltung in Hannover haben wir verschiedene Ansätze der Friedensarbeit auf beiden Seiten kennengelernt, die seit Jahren bestehen und bisher wertvolle Ergebnisse erreicht haben. Es gibt in der Tat zahlreiche Stiftungen, Gruppierungen und Gesellschaften, die sich mit Friedensprojekten im Nahen Osten beschäftigen und diesbezüglich tolle Arbeit leisten. Ihre Verdienste um Annäherung, Befriedung und Sicherheit in der Region und zwischen Israelis und Palästinensern sind auf jeden Fall bedingungslos anzuerkennen. Wir haben großen Respekt davor und vollste Wertschätzung für all diejenigen, die dies unter (manchmal) schweren Umständen tun. 
 
Aus unserer Arbeit mit traumatisierten Menschen wissen wir, dass psychische Traumata – unbehandelt - auch nach Jahrzehnten ihren Schrecken in den Menschen nicht verlieren. Diese Schrecken können Menschen in tiefste Depressionen, sozialen Rückzug, verschiedenste z. T. schwere somatische (Schmerz-)Syndrome, und nicht zuletzt in den Rückzug aus gesellschaftlicher Teilhabe führen. Wenn ihnen externer „Feinde“ als Schuldige angeboten werden,  können sie dazu gebracht werden, ihr erlebtes Leid gegen einen vermeintlichen „Feind“ auszuagieren, und so wird die Leidspirale  ins Unendliche getrieben.
Dem gegenüber wollen wir all diejenigen Kräfte stützen, die den Menschen Heilung zu bringen versuchen und das auch jetzt schon, in einer Zeit in der noch Krieg herrscht. Menschen, die sich von destruktiven Kreisen fernhalten, die an ihrer Heilung arbeiten, werden weniger destruktiv gegenüber ihren vermeintlichen und angebotenen „Feinden“ , und werden so eher den  Keim des Friedens in sich tragen als den Virus des Hasses und der Gewalt.  Immerhin gibt es bereits Projekte, die zeigen wie dies auch gehen kann (z. B. „Ferien vom Krieg“, „friendship across borders“ u. a.).
 
Wir möchten Israelis, Palästinenser und auch Deutsche in ihrem Bemühen um Frieden, Freiheit, Stabilität und Sicherheit unterstützen und ihre Neugier fördern. Wir möchten alle aktuell erscheinenden verrückten Ansätze und Wege gehen, die dies möglich machen könnten. 
 
Wir werden folgende Ziele verfolgen und dafür hart arbeiten: 
 
 
  • Respektvoller Umgang miteinander
 
  • Förderung und Unterstützung von Projekten, die das Vertrauen verstärken und den Hass und die Angst voreinander abbauen sollen
 
  • Organisation von Fortbildungsreihen, Aufklärungsarbeit, Seminaren zunächst auf neutralem Boden (Deutschland, aber auch andere Länder) als auch direkt in der Region bei intensiver Zusammenarbeit mit den verschiedenen Friedensgruppen dort
 
  • Interessant wäre die Idee einer „Sommeruniversität“ oder „Sommercamp“ z. B. in Deutschland, wo sich viele Menschen begegnen können und ihre Friedensideen und –wünsche miteinander diskutieren können
 
  • Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Stiftungen, Friedensgruppen und –projekten i. S. der Vernetzung, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen
 
  • Beteiligung an den vielen Aktivitäten anderer Friedensaktivisten
 
  • Versuche, Gelder zu organisieren, um Menschen verschiedener, insbesondere sog. unterprivilegierter und sozial schwacher Schichten den Zugang zu solchen Veranstaltungen zu ermöglichen
 
  • Einbeziehung von Prominenten, Sportlern, Künstlern, Politikern und anderen gesellschaftlichen Gruppen in die Friedensarbeit sowie Unterstützung von Begegnungsmöglichkeit auf allen Ebenen, um das Miteinander zu fördern
 
  • Aktives Werben für unser Projekt in Kreisen von Psychotherapeuten, Traumatherapeuten, Ärzten, Juristen, Pädagogen usw.
 
  • Einbeziehung von namhaften Fachleuten, Friedensforschern und Wissenschaftlern in diverse Seminarreihen und Workshops, die von uns oder anderen mit uns vernetzten Gruppierungen veranstaltetet werden
 
  • Aktive Unterstützung verschiedener psychosozialer Projekte auf beiden Seiten
 
  • Beratungs- und Aufklärungsarbeit für verschiedene Gruppen aller beteiligten Konfliktparteien
 
  • Der Versuch, Palästinenser und Israelis gemeinsam von ihren Kriegstraumatisierungen zu therapieren (vielleicht sogar „mittel- und längerfristig“ in gemeinsamen Gruppentherapien)  
 
Diese Punkte können nur den Anfang eines längeren Weges darstellen, den wir gerne mit vielen Menschen gehen möchten und wollen. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dabei viele Weggefährten hätten, die uns auf dieser sicherlich schweren, aber lohnenswerten und spannenden Strecke begleiten würden und möchten. Das Projekt wird sicherlich dadurch mit Leben, Lebendigkeit, Inspiration, Kreativität und Begeisterung gefüllt, wenn viele KollegInnen und Menschen aller Gesellschaftsgruppierungen uns darin aktiv unterstützen würden. 
 
Nun ist auch die Seite unseres Projektes im Internet fertig und Sie können sie jederzeit unter www.verrückt-nach-frieden.de besucht werden. Wir würden uns alle sehr auf und über jede Art von Unterstützung freuen.
 
Homepage
zur Verfügung gestellt
von Vistaprint