Burn-out-Syndrom
Unter dem Begriff Burn-out-Syndrom versteht man einen Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung sowie verringerter Leistungsfähigkeit. Übersetzt bedeutet der aus dem Englischen stammende Begriff Burnout so viel wie "Ausbrennen". Personen mit einem Burn-out-Syndrom fühlen sich extrem erschöpft und häufig innerlich leer und ausgelaugt und ziehen sich immer mehr zurück. Schließlich kommt es zu körperlichen Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Problemen, Herzklopfen, Angst- und Panikattacken oder zu Anzeichen einer Depression. Die Ursachen des Burn-out-Syndroms sind vielfältig und können stark variieren. Meist spielen starke Belastungen verschiedenster Art beispielsweise über lange Zeit andauernder Stress im Beruf oder privat eine große Rolle.
Das Burnout-Syndrom tritt vor allem bei Menschen mit sozialen Berufen auf oder anderen Berufen, bei denen man sich sehr um andere Menschen kümmert. Zu den Burnout-gefährdeten Berufen zählen zum Beispiel Sozialarbeiter, Ärzte, Lehrer, Kranken- und Altenpfleger und -schwestern. Aber auch Personen anderer Berufsgruppen können vom Burnout-Syndrom betroffen sein. Nicht selten erkranken auch Personen mit großer familiärer Belastung am Burnout-Syndrom.
Das Burnout-Syndrom entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum. Anfangs sehr motivierte und überengagierte Personen resignieren langsam und ziehen sich gesellschaftlich Familie eine große Rolle. Insbesondere, wenn gleichzeitig die eigene Leistung nicht oder nur wenig anerkannt wird und der Betroffene Stress (vor allem emotional) ungünstig bewältigt. Von einem Burnout-Syndrom Betroffene achten nicht darauf, sich Phasen der Ruhe und Entspannung zu gönnen und ignorieren Warnsignale ihres Körpers über einen längeren Zeitraum.
Bei der Therapie des Burnout-Syndroms ist wichtig zu beachten, dass Betroffene selbst erkennen sollten, dass sie Hilfe benötigen und diese auch für sich annehmen können. Langfristig ist es notwendig, bisherige Gewohnheiten zu ändern und einen höheren Wert auf eine gesunde Lebensweise zu legen. Eigene Bedürfnisse müssen zukünftig erkannt, akzeptiert und beachtet werden. Beruflicher Alltag und Entspannung müssen in ein Gleichgewicht gelangen. Wer sich frühzeitig Hilfe sucht und aktiv an der Therapie mitarbeitet, hat gute Aussichten auf eine Besserung des Burnout-Syndroms.
Häufigkeit
Schätzungen zufolge sind etwa 10 Prozent aller Arbeitnehmer, die in Risikoberufsgruppen arbeiten, vom Burnout-Syndrom betroffen. 20 bis 30 Prozent aller Personen mit solchen Berufen sind gefährdet, am Burnout-Syndrom zu erkranken.
Die genauen Ursachen für das Burnout-Syndrom sind bisher nicht ausreichend geklärt. Mögliche Ursachen finden sich jedoch in den Belastungen beziehungsweise Überlastungen des jeweiligen Berufsumfeldes (z.B. schlechtes Betriebsklima, übermäßiger Stress, schwelende Konflikte, unklare Hierarchien, Mobbing, Angst vor Arbeitsplatzverlust). Vermutlich begünstigt das Zusammenspiel aus psychischen Faktoren und Belastungen im Job das Entstehen eines Burnout-Syndroms.
Das Burnout-Syndrom scheint eine Folge von großem Idealismus, überhöhten Erwartungen an den Job und der tagtäglichen Wirklichkeit zu sein. Gerade Menschen, die sich übermäßig stark für andere (über)engagieren, deren Leistungen aber kaum oder gar nicht durch Vorgesetzte anerkannt werden, haben ein erhöhtes Risiko, sich innerlich zu verausgaben und auszubrennen. Weitere Risikofaktoren für das Burnout-Syndrom sind unter anderem:
- ausgeprägter Perfektionsdrang
- starker Ehrgeiz
- starkes Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein
- Drang, alles allein managen und regeln zu wollen
- Scham und auch Angst, Hilfe von außen oder anderen anzunehmen
Das Burnout-Syndrom ist demnach das Ergebnis eines längeren Prozesses, bei dem eine anfänglich überhöhte Begeisterung schließlich in Ernüchterung, Frustration und Gleichgültigkeit mündet.
Symptome des Burnout-Syndroms:
körperlicher oder psychischer Symptome auftreten, die sich nicht plötzlich, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Für die körperlichen Beschwerden gibt es beim Burnout-Syndrom jedoch keine organischen Ursachen – sie entstehen psychosomatisch. Das heißt psychische Probleme äußern sich durch körpeDas Burnout-Syndrom ist kein einheitliches Krankheitsbild. Vielmehr kann eine Vielzahl verschiedenster rliche Beschwerden.
Als körperliche Beschwerden können unter anderem auftreten:
- Muskelverspannungen
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schwindel
- Gleichgewichtsstörungen
- Schlafstörungen
- erhöhte Anfälligkeit für Infekte
- Herzklopfen
Zu den psychischen Beschwerden zählen zum Beispiel:
- sinkendes Selbstvertrauen
- stärkere Verletzlichkeit in Bezug auf Enttäuschungen oder Verluste
- erhöhte Stressanfälligkeit
- sinkende Arbeitszufriedenheit
- Anzeichen einer Depression wie z.B. gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Interessenverlust
- Angst- und Panikattacken
- Konzentrationsstörungen
Therapie des Burnout-Syndroms:
Beim Burnout-Syndrom richtet sich die Therapie vor allem danach, welche Beschwerden genau vorliegen und wie stark sie sind. Jede Therapie sollte individuell auf den Betroffenen ausgerichtet sein. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto günstiger wirkt sich dies auf den Krankheitsverlauf aus.
Erkennen und akzeptieren Burnout-Betroffene selbst, dass sie Hilfe brauchen und dass ihre Probleme behandlungsbedürftig sind, verbessern sich die Therapieaussichten.
Nach diesem ersten wichtigen Schritt sollten Betroffene als nächstes versuchen, sich selbst zu entlasten und bekannte Stressauslöser weitestgehend zu meiden.
Langfristig sollte versucht werden, bessere Strategien zur Stressbewältigung im Alltag zu entwickeln. Hilfreich sind hier zum Beispiel Methoden wie:
- progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Autogenes Training
- Yoga
- Meditation
- Bewegungstherapie mit isometrischen Übungen der Halswirbelsäule sowie der Brust- und Lendenwirbelsäule
Betroffene sollten außerdem versuchen, sich Zeit und Raum für Dinge zu nehmen, die sie zufrieden machen, wie zum Beispiel Hobbies, Spaziergänge in der Natur und/oder Sport. Kontakte zu Freunden und Familie wieder aufgefrischt und ausgebaut werden, die zuvor vernachlässigt wurden. Soziale Kontakte aufrechtzuhalten, ist sehr wichtig – ebenso, Hilfe von Freunden oder Verwandten anzunehmen. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und bestätigt, dass die Betroffenen nicht nur auf sich selbst gestellt sind.
Im Rahmen einer Psychotherapie kann/soll der eigene Perfektionsdrang näher „beleuchtet und unter die Lupe genommen“ werden. Gegebenenfalls soll dieser falls notwendig herunter gefahren werden. Das gleiche gilt für unrealistische oder überhöhte Vorstellungen von eigenem Arbeitsplatz.
In einer entsprechenden Psychotherapie werden dann realistische Ziele formuliert und angestrebt. Dazu gehört zum einen, eigene soziale Fähigkeiten zu verbessern und sich vor allem besser abgrenzen zu können. Des Weiteren: Eigene Belange besser gegen andere vertreten zu können, unangenehme Arbeiten und zusätzliche Aufgaben ggf. ablehnen können und dürfen. Es ist wichtig, zu lernen, wie mit Konflikten adäquat umgegangen werden kann.
Weitere wichtige Ziele sind: Bessere Einschätzung der eigenen Person und der eigenen Fähigkeiten, besseres Erkennen von Zeitfressern. Zu viele oder übermäßig lange Besprechungen lassen sich zum Beispiel im Gespräch mit dem Vorgesetzten unter Umständen schnell verkürzen oder in ihrer Zahl verringern. Zeitmanagement-Seminare können helfen, die eigene Zeitplanung zu verbessern.
Eine Therapie kann außerdem helfen, negative Kognitionen der eigenen Person betreffend zu hinterfragen und sie ggf. zu verändern. Zudem können ebenfalls negative Handlungsmuster oder Einstellungen erkannt und gezielt verändert werden.
Bei ausgeprägtem Burnout-Syndrom helfen kurzfristig Antidepressiva oder Medikamente gegen Angst und Schlafstörungen.
Verlauf des Burnout-Syndroms:
Erkennen und akzeptieren Betroffene mit einem Burnout-Syndrom, dass sie Hilfe dringend benötigen/brauchen und nehmen diese an, sind die Aussichten auf eine Besserung langfristig gut.
Ohne Behandlung zeichnet sich das Burnout-Syndrom zu Beginn durch eine starke psychische Erschöpfung sowie ein deutliches Überengagement in Beruf oder auch Familie aus.
Die anfängliche Begeisterung für die Arbeit flacht ab und verringert sich im weiteren Verlauf kontinuierlich. Betroffene beginnen, sich innerlich von ihrem Job zu distanzieren/lösen – man spricht hier von einer inneren Kündigung. Die zuvor vorhandene Motivation wandelt sich langsam in das Gefühl, versagt zu haben (eigene und fremde Erwartungen können nicht annähernd erfüllt und umgesetzt werden). Einige Betroffene legen plötzlich ein unerwartet aggressives Verhalten an den Tag und reagieren auf Kunden, Arbeitskollegen, Schüler oder Patienten immer gereizter. Möglicherweise äußern sie verallgemeinernde und feindselige Vorwürfe an alle Menschen in ihrer Umgebung. Negative Ansichten nehmen deutlich zu und Fehlzeiten im Job häufen sich.
Das emotionale, gesellschaftliche und geistige Leben tritt zunehmend in den Hintergrund. Das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse schwindet immer mehr. Auf Alltag und Erlebnisse reagieren Betroffene mit einem Burnout-Syndrom fast ausschließlich zynisch, ironisch, gleichgültig oder sarkastisch. Betroffene nehmen immer weniger aktiv am gesellschaftlichen Leben teil und ziehen sich zunehmend zurück. Schließlich treten auch vermehrt die oben bereits erwähnten körperlichen und psychischen Symptome auf.
Betroffene versuchen in dieser Phase häufig, ihre Beschwerden mit Medikamenten zu bekämpfen und nehmen nicht selten Beruhigungs- oder Aufputschmittel, aber auch Schlaf- und Schmerzmittel zu sich. Ebenso greifen viele vermehrt zu Rauschmitteln wie Alkohol. Es besteht die Gefahr der Abhängigkeit .
Schlimmstenfalls steigert sich das Burnout-Syndrom im weiteren Verlauf bis zu einem starken Gefühl der Verzweiflung. Betroffene fühlen sich bei sehr stark ausgeprägtem Burnout-Syndrom hoffnungslos, sehen keinen Sinn mehr im Leben und entwickeln möglicherweise Selbstmordgedanken. Eine frühzeitige Behandlung ist deshalb umso wichtiger.
Wie kann ein Burnout-Syndrom verhindert werden:
Um ein einem Burnout-Syndrom vorbeugen zu können, müssen bereits bei ersten Anzeichen von starkem beruflichem oder familiärem Stress Gegenmaßnahmen und sinnvolle Strategien ergriffen werden:
Das richtige Gleichgewicht finden
Es ist sehr wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Belastungen in Beruf/Familie und Entspannung beziehungsweise Freizeit zu finden. Es ist dringend darauf zu achten, dass übermäßige Belastungen, ob in Beruf oder Familie, nicht zum Dauerzustand werden. Diese sollten möglichst nur kurzfristig auftreten oder rasch angegangen und reduziert werden.
Regelmäßige Arbeitstreffen
Im Berufsalltag sollten regelmäßige Arbeitstreffen stattfinden, in denen sich Kollegen untereinander über berufliche Dinge unterhalten, austauschen und diese dadurch besser in ihrer Bedeutsamkeit einordnen können. Beim Bestehen beruflicher Probleme und Konflikte sollten hilfreiche Lösungsstrategien gefunden und erarbeitet werden. Der Sinn solcher Treffen ist, dass Betroffene sich nicht isoliert oder benachteiligt fühlen und das Gefühl haben, alles allein erledigen oder/und schaffen zu müssen. Bei solchen Arbeitstreffen ist es wichtig, dass positive Rückmeldungen untereinander ausgetauscht und vor allem die Leistungen aller hervorgehoben und gewürdigt werden.
Besserung der Wahrnehmungsfähigkeit
Es hat sich mittlerweile sehr bewährt, die Eigen- und Fremdwahrnehmung zu üben und sie intensiv zu trainieren. Durch regelmäßige Trainingseinheiten, auch im Sinne einer verbesserten Psychohygiene, können dann die Situationen und Umstände genau definiert werden, die durch ihre Auswirkungen ein Burnout-Syndrom auslösen oder dessen Entstehung begünstigen. Hier können sinnvolle Veränderungsstrategien vorgenommen werden.
Nein sagen lernen
Es ist eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt, Nein sagen zu können. Die Angst, abgelehnt zu werden, jemanden oder etwas zu verlieren, viel Arbeit auf sich zu nehmen, die Angst, benachteiligt oder gar bestraft zu werden, führen in der Regel im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen dazu, dass die Fähigkeit, Nein zu sagen, sehr eingeschränkt ist. Um dies tatsächlich zu lernen und zu können, ist es unerlässlich, die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele zu kennen, zuzulassen, zu akzeptieren und durchzusetzen. Gleichzeitig ist es immens wichtig, die eigenen Grenzen festzulegen und zu definieren. Ein sinnvoller Ausgleich zum Stress in der Freizeit sollte gefunden, eigene Interessen verfolgt werden, die Entspannung, Ruhe und vor allem Spaß bereiten. Soziale Kontakte sollten gepflegt und ggf. ausgebaut werden, jedoch ohne dass dies zu erneutem Stress führen sollte. Das Nein-Sagen sollte in verschiedenen Situationen geübt und trainiert werden, insbesondere im Beruf und Familien- sowie Freundeskreis.
Gesunde Lebensweise
Auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, viel frischem Obst und Gemüse sollte geachtet werden. Hier sollte insbesondere auf leicht verdauliche Speisen geachtet und auf schweres Essen verzichtet werden. Alkohol oder Kaffee sollten möglichst nur in Maßen konsumiert und genossen werden und nicht als tägliche Notwendigkeit zur vermeintlichen Stressentlastung dienen. Ähnliches gilt auch für Zigaretten, die sogar möglichst vermieden werden sollten. Sehr wichtig sind tägliche Bewegungseinheiten im Freien (mindestens 30 Minuten). Radfahren, Spaziergänge, Joggen, Schwimmen usw. sind hervorragende Wege eines gesunden Stressabbaues.
Erlernen von Entspannungstechniken
Entspannungsverfahren können neben einer guten ambulanten Psychotherapie sehr dabei helfen, dem Alltagsstress gelassener zu begegnen. Dazu gehören etwa
· Autogenes Training,
· Atemübungen
· Progressive Muskelentspannung nach Jacobson,
· Imaginationsübungen
· Yoga,
· Qi Gong/Tai-Chi und
· Meditation
Je nach persönlichem Ermessen und Befinden kann langfristig unter Umständen ein Arbeitsplatzwechsel enorm helfen.